Inside Job – eine Review

Der Film “Inside Job” dokumentiert die Weltfinanzkrise ab dem Jahr 2007. 2010 veröffentlicht, erhielt der Film vom Regisseur Charles H. Ferguson im Folgejahr den Oskar für den besten Dokumentarfilm. Eine Review zum Film und eine Meinung zur Weltfinanzkrise.


Obwohl die weltweite Finanzkrise ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten hat, beginnt unsere dokumentarische Reise in Island. Mit etwa 320.000 Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal 13 Milliarden Dollar ist die nordeuropäische Inseln eigentlich kein “global player” auf dem weltweiten Finanzmarkt. Doch als die Politik entschied, die Märkte zu liberalisieren und somit ausländische Unternehmen ins Land zu lotsen, nahm das Übel seinen Lauf.  Amerikanische Investoren erkannten die wirtschaftliche Attraktivität Islands und ließen ihr Geld fließen. Von Ratingagenturen wurden Investitionen in Island stets mit der höchstmöglichen Bewertung AAA ausgezeichnet. Es wurde entschieden, die drei größten isländischen Banken zu privatisieren. Diese tätigten daraufhin Leihen in Höhe von über 120 Milliarden Dollar und verschuldeten sich immer weiter. Somit wurde die unberührte Umwelt Islands ausgebeutet, die Menschen verloren ihr Erspartes und innerhalb von einigen Jahren verdreifachte sich die Zahl der Arbeitslosen. Während  einige wenige Bänker und Investoren riesige Gewinne einstrichen, verdreifachten sich die Immobilienpreise und viele hatten keinen Grundbesitz mehr. Kurzum: Die Wirtschaft war am Boden.

Nachdem uns die heutigen weltweiten Folgen der Finanzkrise aufgezeigt wurden, geht es zurück in die 80er Jahre. Dort ermöglicht die von der Reagan Regierung durchgeführte Deregulierung der Finanzmärkte ein jahrzehntelanges wirtschaftliches Wachstum. Infolgedessen explodieren die Finanzmärkte, die Absatz- und Gewinnerwartungen stiegen schier ins Unendliche. Bis in die 2000er Jahre hinein schien das System zu funktionieren und die Wirtschaft immer weiter zu wachsen. Doch ständige Deregulierung und Liberalisierung sorgten dafür, dass alles irgendwann zum Scheitern verurteilt war. Fusionen riesiger Banken wurden erlaubt, Ratingagenturen wurden in Milliardenhöhe für gute Bewertungen bezahlt, Geldwäsche, Betrug und Bilanzfälschung waren alltäglich. So kam es, dass die Wall Street mächtiger und mächtiger wurde und die Regierung massiv beeinflusste. Bis in höchste Führungsebenen von Banken, Ratingagenturen und Versicherungsunternehmen waren Kokain und Prostitution keine Seltenheit. Man spekulierte mit Geld aus Drogendeals und finanzierte sogar das Iraner Atomprogramm.

Eine Ursache der Finanzkrise ist der Umgang mit Krediten. Diese durften nämlich verbrieft werden. Während früher bei einem Kredit der Schuldner direkt an den Gläubigen zahlt, wurden diese Kredite von den Banken an Investmentbanken verbrieft. Die Investmentbanken bündeln Hypotheken, BAföG und weitere Kredite in sogenannten CDOs (Collateralized Debt Obligation = forderungsbesicherte Wertpapiere) und bieten sie den Investoren als vermeintlich sichere Investition an. Weil Banken ihre Kredite einfach verbriefen können, müssen sie bei der Kreditvergabe nicht mehr vorsichtig sein. So kam es, dass immer weniger Sicherheiten gefordert waren und Kredite immer leichtfertiger vergeben wurden. Sogenannte “subprime mortages” (“Ramschhypotheken”) gewährten fast jedem einen Kredit. Von 2001 bis 2004 vervierfachte sich die Zahl der Kreditvergaben in den USA. Obwohl die Darlehen immer riskanter wurden und immer weniger diese zurückzahlen konnten, wurden die CDOs von Ratingagenturen weiter mit Top-Bewertungen versehen. So kam es, dass die Immobilienpreise boomten, aber gleichzeitig immer mehr Häuser zwangsversteigert werden mussten, weil Darlehen nicht getilgt werden konnten.

Die Profitgier der Finanzinstitute trieb die Weltwirtschaft in eine Rezession. Man verschuldete sich

bis zu einem Verschuldungsgrad von 33:1 (Fremdkapital zu Eigenkapital), es handelte sich um ein weltweites Schneeballsystem. Eine Aufsichtsbehörde als Kontrollinstanz erwies sich als ohnmächtig und die US-Börsenaufsicht entfernte jegliche Limits. Solch unverständliche Entscheidungen kommen daher, dass ehemalige Vorstände von Banken und Aufsichtsräte von Ratingagenturen in die Politik gelangen. Alan Greenspan, Berater der Deutschen Bank und einer Hedge-Fond Gesellschaft, beispielsweise war von 1987 bis 2006 Vorsitzender der US-Notenbank und ein ideologischer Regulierungsfeind. 

Ratingagenturen wie Moody’s, Fitch und Investmentbanken wie Lehman Brothers oder Goldman Sachs verkauften unrentable und hochspekulative Wertpapiere wissentlich an ihre Kunden. In einer gerichtlichen Anhörung betonten die Ratingagenturen schließlich, dass es sich bei den Ratings nur um “Meinungen” handle. Jegliche Warnungen, wie 2004 vom FBI oder 2005 vom Internationalen Währungsfond wurden von Lobbyisten in der Regierung und im Finanzministerium strikt ignoriert. Lehman Brothers geht Bankrott und der Versicherungskonzern AIG wird mit einem milliardenschweren Rettungspaket aufgefangen. Das Ganze kostet den Steuerzahler mehr als 160 Milliarden Dollar. Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten und inzwischen auch in Europa übersteigt die 10% und erfolgreiche Unternehmen wie die Autohersteller Chrysler oder General Motors oder die United States Steel Corporation gehen Pleite. Der Nachfragerückgang in den USA hat Folgen bis nach China, wo knapp 10 Millionen Leiharbeiter ihre Jobs verlieren. Gleichzeitig aber verdienen die Lehman Vorstände durch Verkauf ihrer Anteile zusammen mehr als eine Milliarde Dollar.

Nachdem amerikanische Industrieunternehmen auf dem Weltmarkt wegen der Finanzkrise ausländischen Unternehmen hinterherhinken, ist die USA heute Vorreiter in Sachen Technologie und stellt die weltweit größten Internetfirmen. Trotzdem ist Bildung nicht für jeden finanzierbar: Während man 1977 knapp 700 Dollar für einen Hochschulplatz zahlte, muss man heute etwa 10000 Dollar auf den Tisch legen. Auf die Hochschule können also nur die, die es sich leisten können. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in keinem anderen Industriestaat auf dieser Welt größer als in der USA. Die Bildung der jetzigen Generation ist erstmals schlechter als die der vorherigen und eine Besserung ist nicht in Sicht. Es gibt keine Gehaltsobergrenze für Bänker, keine Bonuszahlungsregulierung und gegen die kriminellen Machenschaften während der Finanzkrise wurde nichts gemacht. Es gab kaum Anklagen. Während die Großbank JPMorgan (14) und die Investmentbank Goldman Sachs (16) immer noch Boni in Milliardenhöhe zahlt, sind die Verantwortlichen für die Finanzkrise immer noch an der Macht und betrügen die Gesellschaft und korrumpieren die Politik.


Insgesamt finde ich den Film sehr gelungen, er zeigt auf distanzierte Art und Weise auf, wie sich die Menschen an der Wall Street an der Allgemeinheit vergehen und auf ihrem Rücken Profit machen. Der Film erklärt komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und verdeutlicht dem Zuschauer den Untergang der Weltwirtschaft. In zahlreichen Interviews befragt er Harvard-Präsidenten und Wirtschaftsweisen zu ihren Tätigkeiten während der Finanzkrise. Er belustigt den Zuschauer, indem Verantwortliche enthüllt und lächerliche Aussagen zusammenstellt. Alles in allem gibt der Film einen großartigen Überblick über die Ursachen und Hintergründe zur weltweiten Finanzkrise 2007, ohne diese dabei zu dramatisieren.

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